Campus

 

Der Campus Bockenheim war für 100 Jahre der zentrale Standort der Universität und ein enorm wichtiger öffentlicher Raum für Frankfurt. Seit 2001 zieht die Universität in mehreren Stufen auf den IG-Farben-Campus im Westend um – ein Prozess, der vermutlich 2018 oder 2019 abgeschlossen sein wird. Damit stellt sich die Frage, wie das Gelände in Zukunft entwickelt werden soll.

Ein erster städtebaulicher Wettbewerb von 2003 sah den Abriss fast aller Bestandsgebäude, u.a. auch des denkmalgeschützten Studierendenhauses vor. Der größte Teil der Fläche (70%) sollte in Gewerbe/Büros umgewandelt werden. Lautstarke Proteste von Bockenheimer Bürger*innen, die sich seit 2006 in mehreren Initiativen zusammenschlossen, der zunehmende Büroleerstand und ein Einlenken der Stadt Frankfurt führten in der Folge dazu, dass der Plan in Teilen verändert wurde - hin zu einem höheren Wohnanteil und dem Erhalt des Studierendenhauses.

Im August 2011 kaufte die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding das Gelände vom Land Hessen. Der Plan war, hier den sogenannten „Kulturcampus“ zu errichten. Dessen konkrete Umsetzung sieht bislang allerdings düster aus: Öffentlicher Grund und Boden wird parzellenweise privatisiert zugunsten von Büros, Hotels, Boardinghouses und hochpreisigem Wohnraum; Eigentumswohnungen und teure Mietwohnungen werden gebaut. Kulturelle und soziale Initiativen hingegen bekamen bislang keine Chance, wie sich bei der Räumung des Instituts für Vergleichende Irrelevanz und dem Scheitern des Wohnprojekts Philosophicum zeigte. Sinnvolle Projekte wie das eines Wohnprojekts für Roma oder eines selbstverwalteten migrantischen Zentrums werden von der Stadt Frankfurt bislang gar gänzlich ignoriert – genauso wie ein Großteil der von den Teilnehmer*innen der Planungswerkstätten zum Campus Bockenheim 2012 eingebrachten Ideen.

2015 entschied das Land Hessen, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf den Campus zu verlagern. Der „Kulturcampus“ hat seitdem die Chaonce, doch noch mehr als ein Label für die Vermarktung von teurem Wohn- und Büroraum herzuhalten.

Auf jeden Fall steckt im Campus Bockenheim noch ein großartiges Potential. In den letzten zehn Jahren haben sich tausende Bürger*innen mit diesem Ort auseinandergesetzt und darüber die Frage „Wem gehört die Stadt“ in einem für die jüngere Frankfurter Geschichte wohl einzigartigem demokratischen Prozess diskutiert. Es sind eine Vielzahl von konkreten und umsetzbaren Ideen entstanden – für deren Realisierung es noch nicht zu spät ist.